Centrochelys (Geochelone) sulcata

Spornschildkröten, die sanften Riesen

 

Was hat mich an dieser Art so fasziniert? Warum musste es gerade diese Art sein?

  • Es handelt sich ja nicht gerade um eine kleinwüchsige Schildkröte.
  • Die Bedürfnisse an die Haltung, den Platzanspruch sind auch nicht zu vergessen.
  • Ganz zu schweigen von den Kosten, die Futter und vor allem Strom ausmachen.

 

Wenn mich heute jemand danach fragt, sage ich immer: Wenn ich mir Pferde halten würde, dann bräuchte ich auch Platz, Zeit und natürlich auch Geld.

 

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen waren es meine Wunschtiere.

Da ich ja viele Nottiere aufgenommen hatte, wollte ich mir auch mal eigene Tiere „aussuchen“ dürfen. Nachdem ich mir einige Exemplare und deren Haltung angesehen hatte, stand die Entscheidung fest.

Vor einigen Jahren nun erfüllte ich mir meinen Wunsch und so zogen bei uns zwei kleine Spornschildkröten ein.

 

Hier noch ein paar allgemeine Informationen:

Centrochelys (Geochelone, einige Autoren ordnen sie auch dieser Gattung zu) sulcata ist die drittgrößte Landschildkröte der Erde.

„Sulcata“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „gefurcht“. Diese Furchungen sind deutlich an den Schildern zu erkennen.

Die deutsche Bezeichung „Spornschildkröte“ bezieht sich auf spornartigen Hornschuppen an den hinteren Beinen.

Unterarten wurden in dem Sinn noch keine beschrieben. Man unterscheidet eine östliche und eine westliche Population. Die östlichen Tiere sind heller, wird aber als Anpassung ans Habitat gesehen.

Herkunft:

Sie beheimatet das nördlich-zentrale Afrika, ein ca. 8000 km langes und nur etwa 500 km breites Gebiet, am Südrand der Sahara – die Sahelzone. Ein sehr großes Gebiet mit dünner Besiedelungsdichte der Sulcata.

Gesetzliche Bestimmungen:

Sulcatas ist durch die EU-Artenschutzverordnung und der Bundesartenschutz-verordnung geschützt. Sie ist im Anhang B geschützt. In dieser Kategorie ist sie meldepflichtig und man muss den rechtmäßigen Erwerb durch einen Herkunftsnachweis nachweisen können

Aussehen:

Siehe Fotos

Größe:

Ca. 85 cm Panzerlänge und bis zu ca. 100 kg Gewicht

Ich sehe allerdings eine Größe von ca. 50 – 70 cm und ein Gewicht von 45 – 60 kg realistischer als durchschnittliche Werte an. Gibt natürlich auch immer kleinere und auch größere Tiere.

Männchen werden bei den Sulcatas größer als Weibchen.

Wachstum:

Das Wachstum ist sehr abhängig von äußeren Gegebenheiten. Doch kommt es immer wieder vor, dass Tiere bei gleichen Bedingungen sich ganz unterschiedlich entwickeln.

Haltung:

Spornschildkröten sind ganzjährig aktiv und halten keine Winterstarre. Es muss ihnen in unseren Breitengraden also auch im Winter eine Möglichkeit geboten werden, ihren hohen Temperaturansprüchen gerecht zu werden. Sie sind sehr aktiv und werden sehr groß, von daher muss ein dementsprechender Platz einkalkuliert werden.

Terrarium:

Für die Winterzeit muss ein beheizbares Terrarium oder der Größe entsprechend auch ein beheizbarer Raum zur Verfügung stehen. Die Größe des angebotenen Platzes orientiert sich immer an der Größe und Anzahl der gehaltenen Tiere.

Die Tagestemperaturen liegen zwischen 25 °C – 33 ° C.

Die Nachtabsenkung liegt bei 18 Grad C.

Zum Bodengrund gibt es unterschiedliche Ansichten. Meines Erachtens sollte er auf jeden Fall trittsicher sein. Ich verwende Gartenerde und Reformtaler. Diese sind eigentlich für die Pferdehaltung konzipiert, haben eine hohe Saugkraft und halten so die Ammoniakdüfte in Grenzen. Zudem neigen sie kaum zu Schimmelbildung bei Feuchthaltung. Auch Hanfstängel haben sich bewährt.

Freigehege:

Sobald die Temperaturen es zulassen, dürfen die Tiere ins Freigehege. Bei jungen Spornschildkröten warte ich ab, bis ca. 20 Grad am Tage sind. Ältere Tiere dürfen selbst entscheiden, ob sie im Schutzhaus oder ins angrenzende Außengehege gehen.

Das Freigehege sollte einen sonnigen Platz im Garten bekommen. Nicht zu vergessen sind aber auch Schattenplätze und auf jeden Fall eine Schutzhütte. Wenn die Tiere noch klein sind bietet sich ein gutes Frühbeet an. Mit zunehmender Größe ist es sinnvoll ein lichtdurchlässiges Schutzhaus zu bauen, aufgrund der Kräfte- und Größenentwicklung.

Eine gute Isolierung zahlt sich aus, um die nötigen Temperaturen im Schutzhaus zu erreichen. Je nach Größe des Schutzhauses sind die Möglichkeiten der Heizung unterschiedlich. So reichen vielleicht im kleinen Frühbeet noch mehrere Par38 Strahler aus. Im großen Schutzhaus ist man dann aber auf eine Heizung angewiesen.

Bei der Beleuchtung sind auch hier Unterschiede, je nach Größe und Anzahl der Tiere. Zur UVB-Versorgung sind Lampen von der Firma Lucky Reptile möglich, zudem Halogenmetalldampflampen und evtl. noch Röhren um die Helligkeit in der Hütte noch weiter zu erhöhen.

Strukturierung:

Solange die Spornschildkröten noch klein sind, lässt sich das Gehege noch schön gestalten, etwas karger als die Freigehege für z. B. Griechische Landschildkröten. Mit zunehmender Größe wird dies schwieriger, da die Tiere keine Rücksicht auf Dinge nehmen, die sich ihnen in den Weg stellen.

Umrandung:

Sulcatas klettern nicht so gerne, somit muss nicht so viel Wert auf die Höhe der Umrandung gelegt werden, sondern mehr auf die Stabilität. Nicht zu unterschätzen ist allerdings ihre evtl. Grabetätigkeit. Je nach Bodengrund müssen auch hier Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Allerdings konnte ich noch keine übermäßige Grabetätigkeit bei meinen Sulcatas feststellen, letztlich müssen sie in unseren Breitengraden auch nicht so großen Temperaturschwankungen ausweichen und Schutz in tiefen Höhlen suchen.

Futter:

Das Futter sollte eiweißarm und rohfaserhaltig sein. Im Sommer dürfen meine Tiere die Wiese „abmähen“. Zudem biete ich immer Heu und Stroh an.

Im Winter füttere ich deutlich rohfaserhaltiger und simuliere eigentlich den Sommer in ihrem Habitat.

  • Heu und Stroh
  • Wiesenschnitt
  • Agrobs
  • Wasser: mindestens 2 x wöchentlich / Vorsicht: schnelle Keimbildung! Ich biete täglich Wasser zum Trinken und Baden an.

 

Zusatzfutter:

Um den Kalkbedarf zu decken biete ich immer zusätzlich Sepiaschale an. Sepia lieben sie und nehmen es gerne als Leckerchen an.

Sporadisch gebe ich noch Eierschalen oder ausgekochte Rinderbeinscheibenknochen.

Fazit:

Immer, immer wieder!

Zum Einen kann ich in der schildkrötenfreien Zeit, in der die Europäer starren, auch dann die Zeit mit Beobachtungen und Pflege der Sulcatas verbringen.


Aber unter uns gesagt, haben mich diese Schildkrötenpersönlichkeiten einfach in ihren Bann gezogen.  

Mehr bleibt mir an dieser Stelle nicht zu sagen, außer: Die Beiden haben mein Herz erreicht.

verwendete Literatur/Links siehe unter der jeweiligen Rubrik