Zu einer möglichst naturnahen Haltung gehört für mich der Aufenthalt in einem Freigehege.

Folgeschäden bei einer reinen Terrariumhaltung sind häufig.

Das linke Tier lebte ausschließlich in einem Terrarium. Im Gegensatz zum rechten Tier ist deutlich das flache Wachstum zu erkennen. Vermutlich sind auch die inneren Organe deswegen geschädigt.

Das rechte Tier ist über 55 Jahre alt und normal gewachsen in Außenhaltung.

Größe des Freigeheges / Gruppenzusammensetzung

Für Jungtiere sollte pro Tier 2 - 5 qm zur Verfügung stehen. Bei größeren Freigehegen würde sich die Suche nach den Tieren schwierig gestalten. Jungtiere werden getrennt von den adulten Tieren untergebracht. Denken Sie auch an Fressfeinde und schützen Sie Ihre Schildkröten,

z. B. mit einem Netz als Abdeckung des Geheges.

 

Für adulte Tiere rechnet man 10 qm für das erste Tier und für jedes weitere Tier mindestens 5 qm, besser mehr!

 

Es werden nur Tiere der gleichen Unterart in einem gut strukturiertem, großem Freigehege gehalten. Optimal ein Männchen mit drei Weibchen.

 

Am besten sollte das Gehege so strukturiert sein, dass sich die Schildkröten selbst versorgen können.

 

Abendstimmung
Abendstimmung

Der Standort des Geheges sollte nach Möglichkeit schon am frühen Morgen Sonne bekommen und den sonnigsten Platz im Garten einnehmen.

Dino on Tour
Dino on Tour

Strukturierung

Strukturiert wird das Gehege durch Futterpflanzen und durch größere ungiftige Schattenspender-pflanzen, zudem durch Steine, Wurzeln, Holzstämme, Tonfiguren...

Bodengrund

Der Bodengrund sollte wasserdurchlässig sein, z. B. durch Einbringen von Kalkschotter oder einem Sand-Erdegemisch. Auf Steinplatten in sonniger Lage können sich die Schildkröten gut aufwärmen.

Frühbeet / Gewächshaus

Europäische Landschildkröten kommen mit unserem Klima gut zurecht.

Trotzdem: sie sind wechselwarme Tiere und diese benötigen Wärme um ihren Stoffwechsel zu aktivieren. Dies ist in einem guten Frühbeet oder Gewächshaus gegeben. Unterstützend dienen Wärmelampen und/oder eine Deckelheizung für das Schlafhaus. Zudem kann noch eine UV-Lampe eingesetzt werden.

Im Schlafhaus kann Stroh, Heu oder Sphagnummoos eingebracht werden. Der Bodengrund sollte leicht feucht gehalten werden.

Da die Temperaturen in einem Frühbeet sehr schnell ansteigen können, lohnt sich die Anschaffung eines automatischen Frühbeetöffners.

 

Eiablageplatz

Bei der Haltung adulter weiblicher Schildkröten muss ein Eiablageplatz zur Verfügung stehen.

Dieser sollte ca. 1qm groß sein, aufgefüllt mit einem lockeren Sand-Erde-Gemisch. Umrandet kann dieser mit Pflanzen oder Steinen sein. Ausrichtung in südliche Richtung und sonnig.

Wasser

Stellen Sie Wasser im Frühbeet/Gewächshaus und im Außenbereich zur Verfügung. Gerne baden die Tiere auch. Stellen Sie aber sicher, dass die Tiere in dem Wasserbehältnis nicht ertrinken können.

für juvenile Schildkröten eignet sich auch ein Nagerzaun, indem eine Rasengitterkante eingeflochten ist
für juvenile Schildkröten eignet sich auch ein Nagerzaun, indem eine Rasengitterkante eingeflochten ist

Gehegeumrandung

Schildkröten sind wahre Kletterkünstler, deswegen muss die Umrandung des Geheges ausbruchssicher gestaltet werden. Man geht von mindestens der doppelten Panzerlänge bei der Höhe der Umrandung aus.

Eine Umrandung ist mit den verschiedensten Materialien möglich, z. B. Holzpalisaden, Steinpflanzringe, Betonsteine... Wichtig ist die nötige Höhe und keine Kletterhilfen in der Nähe, z. B. Pflanzen oder Winkel. Evtl. bietet sich eine überhängende Klettersperre an. Zudem sollte die Umrandung nicht durchsichtig sein.

Hier wurde im Gehegeinnern die Erde abgetragen und Rollpalisaden aufgestellt. Damit die Schildkröten die Umrandung nicht untergraben, wurden Pflastersteine im Inneren verlegt. Die Anlage außerhalb des Geheges liegt höher (Zoograben).

Um die Palisaden vor Verrottung zusätzlich zu schützen wurde noch eine Rasengitterkante zwischen Erde und Palisaden eingebracht.

Eine Haltung im Terrarium sollte nur ausnahmsweise sein. Falls es sich nicht vermeiden lässt zur Einhaltung der Quarantäne oder bei Krankheit der Schildkröte.

Denn durch geeignete Technik ist auch bei schlechtem Wetter eine Haltung im Außengehege möglich. Ein tägliches Umsetzen der Tiere z. B. um sie nachts ins Terrarium zu setzen ist zu vermeiden, da es den Tieren unnötig Stress macht, wenn sie herumgetragen werden. Besser ist es die Tiere im Frühbeet zu belassen und z. B. im Schlafhaus mit einer Deckelheizung für die nötige Temperatur zu sorgen.

Bei einer Erkrankung lässt sich manchmal eine Terrarienhaltung nicht vermeiden. Achten Sie hierbei auf den richtigen Bodengrund. Am besten bewährt hat sich normale ungedüngte Gartenerde, vor allem Maulwurfserde. Holzschnipsel und dergleichen sind ungeeignet, da sie nicht feucht gehalten werden  können und schimmeln. Durch eingepflanzte Futterpflanzen, Steine und Wurzeln ist auch hier eine Strukturierung möglich. Nicht vergessen auch hier ein Schlafhaus und Wasser anbieten.

Wichtiger Faktor im Terrarium ist die ausreichende Beleuchtung und Wärme. Schildkröten verbinden Licht und Wärme miteinander: wo es hell ist, da ist es auch warm! Beides vereint z. B. die Lampe „Lucky Reptile Bright Sun Desert 70 W“.  Diese Lampe kann den ganzen Tag brennen und sorgt für die ausreichende UV-Versorgung und die nötige Wärme.

Eine gute UV-Lampe ist auch noch die Osram Vitalux 300 W. Diese Lampe darf aber nur ca. 20 Minuten täglich an sein. In der verbleibenden Zeit muss eine Alternativlampe angeschaltet sein. 

 

Terrarien für Schildkröten sollten oben offen sein um Stauwärme zu vermeiden. Ungeeignet für Schildkröten sind handelsübliche Glasterrarien, die im Bodenbereich belüftet sind.

 

Um es noch einmal zu betonen, von einer reinen Terrarienhaltung ist meines Erachtens abzuraten.

Geben Sie ihrem Tier die Möglichkeit in einem Freigehege natürliches Sonnenlicht zu tanken.