Begründung der Hibernation

Europäische Schildkröten halten eine Winterstarre, aufgrund des geringen Nahrungsangebotes , der niedrigen Temperaturen und Sonneneinstrahlung in ihrem Habitat. In dieser  Zeit „schlafen“ die Tiere nicht, sondern sie fallen in eine Art Starre. Hierbei kommt die Schildkröte ohne Wasser und Nahrung aus, da sie ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunterfährt.

Ohne Winterstarre erleidet die Schildkröte auf Dauer Schäden. Höckerbildung, zu schnelles Wachstum, Verfettung sind nur einige Erkrankungen die daraus resultieren.

Daraus resultiert:

Der verantwortungsvolle Schildkrötenhalter muss seinen Schildkröten die Möglichkeit der Hibernation bieten.

 

Voraussetzungen

Unabhängig von Alter und  Größe der Tiere halten alle eine Winterstarre, auch Schlüpflinge. Diese können durchaus 3 – 4 Monate starren. Im natürlichen Habitat würden sie das auch tun. Somit gibt es für mich keinen Grund dies in der Gefangenschaft zu verwehren.

Mit einer Gewichtskontrolle kann man Unstimmigkeiten rechtzeitig erkennen und gegebenenfalls die Starre abbrechen. Wenn alles in Ordnung ist, steht der normalen Winterstarre nichts im Weg.


Nur gesunde Tiere starren!

Bereits im September nimmt die Aktivität deutlich zurück. Im Oktober nehmen die Schildkröten immer weniger Nahrung zu sich, bis sie im November bei ca. 10 Grad C gar keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Trotzdem soll den Schildkröten in dieser Zeit noch ein paar Stunden die Möglichkeit gegeben werden, die Körpertemperatur zu erhöhen (Wärmestrahler). Nur so bleibt der Stoffwechsel aktiv.

Nachtabsenkungen werden von den Tieren benötigt, daher nicht ins Haus oder dergleichen stellen.

Wenn die Schildkröten die Nahrungsaufnahme eingestellt haben, dauert es noch ca. 1- 2 Wochen bis der Darm soweit leer ist. Erst wenn die Tiere sich eingebuddelt haben und sich auch am Tage nicht mehr sehen lassen, werden sie in ihre Überwinterungsbox gesetzt.

   

Vorbereitung

Werden die Tiere im Freigehege gehalten, registrieren sie die verkürzte Tageslänge und Intensität der Sonne.

Ab September werden sie deswegen schon träger.

Der Juli bietet sich an, die Schildkröten auf Parasiten untersuchen zu lassen. Wenn deutlich zuviel Würmer festgestellt werden (hochgradiger Befall) ist eine Entwurmung nötig.

Wichtig: die Entwurmung muss rechtzeitig erfolgen, so dass das Medikament vollständig ausgeschieden werden kann (dauert 4 – 6 Wochen).  Erst dann, und wenn die Schildkröte nach erneuter Kotuntersuchung ohne Befund ist, beginnt die Vorbereitung zur Winterstarre.

  • Temperatur

Die Lampen und der Wärmestrahler werden alle 2 -3 Tage reduziert.

  • Futter

Futter wird solange angeboten, wie die Schildkröten fressen möchten. Keinesfalls wird das Futter weggelassen. Die Tiere hören selbständig auf Futter aufzunehmen.

  • Wasser

Wasser steht bis zur Übergabe in die Überwinterungsbox zur Verfügung.

Baden kann die Wasseraufnahme unterstützen.

Durch stundenweises Beheizen des Frühbeetes bleiben die Tiere noch bis November eingeschränkt aktiv.

 

Wiegen

Vor der Winterruhe wird jedes Tier gewogen. Hier hat sich eine präzise Waage bewährt (Ein-Gramm-Messschritte). 

Beim Wiegen während der Winterstarre scheiden sich die Geister. Zum Einen wird das Wiegen als Störung empfunden, zum Anderen wird es als Sicherheit empfohlen.

 

Temperatur

Die Kontrolle der Temperatur in der Hibernation ist sehr wichtig. Thermometer mit Fühler (ins Substrat stecken, jede Box erhält eigenen Fühler) und mit evtl. Warnsystem bewähren sich hierbei. So ist es möglich die Temperatur in den Boxen zu kontrollieren, ohne das Tier zu stören.

 

Substrat

Normale ungedüngte Gartenerde hat sich hier bewährt, leicht feucht gehalten. Bedeckt wird dies mit feuchtem Buchenlaub. Alternativ kann auch Sphagnummoos verwendet werden. Dieses Moos schimmelt nicht und hält die Feuchtigkeit gut. Bei Abdeckung der Überwinterungsboxen bildet sich dann kaum Kondenswasser. Gerade kleine Schildkröten können sich in dieses Moos leichter eingraben als in Buchenlaub. Die optimale Überwinterungstemperatur liegt bei 4 – 6 Grad C.

Ausreichende Substratfeuchtigkeit ist wichtig, da die Schildkröten nur über die Haut Flüssigkeit aufnehmen. Ansonsten trocknen die Tiere aus und verlieren  Gewicht. Eine Ausnahme bildet die russische Vierzehenschildkröte.

Gut überwinterte Tiere verlieren während der Winterstarre kaum an Gewicht.

  • Baden

Die Meinungen sind hier zweigeteilt.

In der Regel entleeren sich die Schildkröten selbständig.

Die Schildkröte hat aber durch das Baden (1-2 Mal) die Möglichkeit Wasser über die Haut aufzunehmen. Dies wird als wichtig erachtet um den Wasserhaushalt zu stabilisieren. Zudem wird die Darmtätigkeit angeregt und das Kotabsetzen gefördert.

Die Schildkröten sollten aber keinesfalls leergebadet werden. Eine gewisse Menge an Darmbakterien sind im Frühjahr nötig um den Verdauungsvorgang in Schwung zu bringen.

Andererseits macht es den Tieren Stress.

Einsetzen der Schildkröten

Erst wenn sich die Tiere eingegraben haben, kann man sie in die Überwinterungsbox überführen.

Die Schildkröten werden in eine kleine Kuhle gesetzt, mit dem Kopf leicht nach oben. Meist suchen sie sich dann ihre eigene Position und schaffen sich eine Lufthöhle vor dem Kopf.

 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Überwinterung:

  • im Kühlschrank
  • im Keller
  • im frostsicheren Frühbeet

 

Unabhängig von der Art der Überwinterung müssen zwei Komponenten erfüllt werden:

  • konstante Temperatur

(4-6 Grad C)

  • ausreichende Luftfeuchtigkeit

(70-80 %)

 

Kühlschranküberwinterung

Diese Methode ist vermutlich die sicherste, da Temperatur und Substratfeuchte gut zu regulieren sind.

Man benötigt einen separaten und funktionstüchtigen, möglichst laufruhigen  Kühlschrank.

Am besten vorher den Kühlschrank schon mal „Probe“ laufenlassen, mit den befüllten Boxen, noch ohne Schildkröten. So wird das Substrat auf die benötigte Temperatur heruntergekühlt. Durch diesen Probelauf kann man sicherstellen, dass der Kühlschrank störungsfrei arbeitet und man kann die richtige Kühlstufe herausfinden.

1-2 Mal in der Woche muss die Tür für ca eine halbe Minute geöffnet werden.  Um die Luftfeuchtigkeit zu halten bietet es sich an eine Wasserschale reinzustellen.

Die Kühlschranküberwinterung bietet auch einige Nachteile:

So sind die Stromkosten relativ hoch, ein eigener Kühlschrank muss angeschafft werden, der viel Platz braucht, evtl. Temperaturschwankungen innerhalb des Gerätes oder Probleme bei Stromausfall oder Defekt des Gerätes.

 

Kellerüberwinterung

Meist sind die Temperaturen in unseren modernen Kellerräumen zu hoch. Möglich ist eine Kellerüberwinterung, wenn die Temperatur von 4-6 Grad C gehalten werden kann.  Dies ist meist in alten Gewölbekellern möglich. Hier stimmt dann auch die Luftfeuchtigkeit. Bei zu hoher Temperatur starren die Tiere nicht tief genug und der Stoffwechsel ist zu hoch. Dies ist vor allem bei sehr milden Wintern der Fall.

Um Risiken auszuschließen muss ständig die Außentemperatur beobachtet werden um Frostschäden oder zu hohe Temperaturen auszuschließen. Zudem muss an einen Schutz gegen Nager gedacht werden.

 

Frühbeet (frostsicher)

Mit einer frostsicheren Überwinterungsgrube im Frühbeet ist eine Überwinterung auch im Frühbeet möglich.

 

Bei allen Überwinterungsmöglichkeiten ist es wichtig, Temperatur, Substratfeuchte und evtl. Gewicht regelmäßig zu kontrollieren.

So ist eine Winterstarre von November bis März möglich.

 


Kontrolle der Tiere während der Starre

  • Feuchtigkeit des Substrats

Möglichst so gestalten, dass die Tiere nichts davon mitbekommen.  Falls es nötig sein sollte: Laub vorsichtig zur Seite schieben und die Gartenerde mit Wasser besprenkeln, dann noch das Laub befeuchten.

 

  • Wiegen

Es gibt unterschiedliche Ansichten zum Wiegen der Tiere während der Hibernation. Fakt ist: das Tier wird durch das Herausnehmen gestört.

Ich handhabe es so, dass ich Neuzugänge und juvenile Schildkröten ein- bis zweimal in der Winterstarre wiege und kurz beurteile, ob sich z. B. eine Sepsis bildet.

 

  • Berühren der Schildkröte

Beim Berühren der Schildkröte während der Winterstarre, sollte sie mit langsamen Zurückziehen der Gliedmaßen reagieren.

 

  • Lüften

Während der Winterstarre sollte die Kühlschranktür ein- bis zweimal in der Woche ca. 30 Sekunden geöffnet werden (Luftzirkulation).