Das Wunder der Natur...

Hallo,

da bin ich wieder: Trudy Schröte.

Nun ist ja endlich die Winterstarrezeit vorbei und ich und meine gepanzerten Freunde hier sind alle wieder aktiv. Aktiv, was sage ich denn da. Zuerst wusste ich gar nicht, was die Großen da treiben. Bis ich aufgeklärt wurde: Es ist Paarungszeit!

 

Damit es kleine Schildkrötenbabys geben kann muss ein guter Züchter natürlich einige Voraussetzungen schaffen. Nur mit den besten Startbedingungen kann die Zucht von Schildkrötenbabys Sinn machen.

Und denke daran: Bitte züchte nur, wenn du für uns auch gute, neue Halter hast!

Haltungsbedingungen:

Für eine erfolgreiche Zucht ist es unabdingbar, dass du uns Schildkröten eine naturnahe Haltung bietest. Ein großes, gut strukturiertes Freigehege mit vielen Versteckmöglichkeiten ist die Grundbedingung.

Damit die Weibchen ihre Eier ablegen können benötigen sie einen Eiablagehügel. Dieser sollte südlich ausgerichtet sein, damit sich die Erde gut erwärmen kann. Ein leicht feucht gehaltenes Sand-Erde-Gemisch sorgt dafür, dass der Boden die richtige Konsistenz hat. Weibchen mögen nämlich nicht, dass beim Ausheben der Grube die Erde immer wieder zusammenfällt.

Nicht zu vergessen ist eine ausgewogene schildkrötengerechte Ernährung. Bei einer Fehlernährung, wie z.B. bei einer Kalziumunterversorgung kann es zu einer Legenot kommen. Gerade in der Zeit vor und nach der Eiablage ist die Kalziumaufnahme erhöht, deswegen immer Sepia und Eierschalen anbieten.

Ausreichend Licht und Wärme sollten natürlich selbstverständlich sein. Schließlich müssen alle Tiere in dieser Zeit viel leisten und ihren Stoffwechsel aktivieren können.

Auch die Winterstarre ist hier zu erwähnen. Sie gehört zum Jahreszyklus der Schildkröten dazu. Tiere, die jahrelang keine Starre gehalten haben können unfruchtbar werden.

Auswahl der Zuchttiere:

Die Kriterien für Zuchttiere sind klar: Suche Tiere aus, die zur gleichen Art, bzw. Unterart gehören, denn auf die Zucht von Mischlingen sollte verzichtet werden.

Natürlich nimmst du nur gesunde Tiere zur Zucht. Bei Panzerdeformierungen könnte es sonst zu Schwierigkeiten bei der Paarung oder Eiablage kommen.

Das Männchen startet viele Paarungsversuche und stresst deshalb die Weibchen. Von daher macht es Sinn das Geschlechterverhältnis so zu regulieren, dass auf ein Männchen mindestens drei Weibchen kommen, bei ausreichendem Platzangebot.

Die Geschlechtsreife tritt bei Weibchen mit ca. 7-10 Jahren, bei einem Gewicht ab 500 gr, ein. Männchen sind ein bisschen früher dran und werden schon ab 5 Jahren geschlechtsreif.

 

Werbung/Balzverhalten:

Die Hauptpaarungszeit liegt nach der Winterstarre im Frühjahr und dann noch mal im Herbst.

Das Männchen beschnuppert ausgiebig das Weibchen, verfolgt es, umrundet es. Mit Rammstößen oder Bissen in die Extremitäten oder in den Kopf versucht das Männchen das Weibchen zum Anhalten zu zwingen. Wenn das Weibchen noch nicht bereit ist, läuft es weg und der Vorgang wiederholt sich erneut.

 

Paarung:

Eine Paarung ist nur möglich, wenn auch das Weibchen aktiv mitmacht. Das Weibchen muss stehen bleiben und den Kopf einziehen, damit das Hinterteil stärker hervortritt. Zudem hebt sie mit den Hinterbeinen ihren Panzer an.

Das Männchen steigt von hinten auf. Hierbei erleichtert der konkave Baupanzer des Männchens die Stellung auf dem Weibchen einzunehmen.

Beim Aufreiten gibt das Männchen „stöhnende“ Geräusche von sich, die vermutlich durch das stoßweise Herauspressen von Luft zustande kommen. Manchmal hört es sich auch wie Fiepen an. Das Männchen biegt seinen Schwanz unter dem Panzer des Weibchens und schiebt seinen ausgestülpten Penis in die Kloake des Weibchens.

Verletzungen:

Es kann es unter Umständen zu Verletzungen an beiden Tieren kommen. Deswegen kontrolliere die Tiere immer daraufhin.

Beim Weibchen:

  • Scheuerwunden an Kloake
  • Beschädigungen am Panzer, z.B. des 5.Wirbelschildes
  • Verletzungen an der Kloake durch den Hornnagel
  • Bisswunden am Kopf oder an den Extremitäten

Beim Männchen:

  • Scheuerwunden am Schwanz oder Penis

 

Eiablage:

Ca. 3-6 Wochen nach der Paarung kommt es dann zur ersten Eiablage. Das Weibchen wird unruhig, sucht im Gehege nach einer Möglichkeit zur Eiablage. Sie schnüffelt den Bodengrund ab, testet, macht Probegrabungen. Häufig läuft es dann auch an der Einfriedung des Geheges entlang und versucht auszubrechen. Sie frisst weniger und wird teilweise aggressiv gegenüber anderen Schildkröten. In dieser Zeit sollte das Männchen und auch die anderen Weibchen das eierlegende Tier in Ruhe lassen. Falls dies nicht der Fall ist, verbleibt das Weibchen allein im Gehege bis es die Eier gelegt hat. Bei ständigen Störungen kann es sonst zu einer Legenot kommen.

Bei ausreichenden Temperaturen also mehrere Tage bei 20º C (Mai/Juni) beginnt die Legezeit.

Sie hebt die Grube mit den Hinterbeinen aus. Von innen nach außen schiebt sie die Erde zur Seite. Erst wenn sie mit den Hinterbeinen keine Erde mehr ertasten kann, beginnt sie die Eier abzulegen. Alle paar Minuten kommt nun ein Ei. Zur Unterstützung des Pressvorgangs zieht das Weibchen dabei den Kopf ein. Mit den Hinterbeinen legt sie die Eier vorsichtig ab. Danach wird die Grube wieder sorgfältig verschlossen. Die Schildkröte soll ihr Werk vollenden können. Bitte störe nicht den Legevorgang und das Verschließen der Grube.

Bergung der Eier:

Nachdem die Schildkröte die Grube verschlossen hat, kannst du die Grube wieder öffnen und die Eier vorsichtig entnehmen. Entferne den gröbsten Schmutz und lege sie in vorbereitete mit Substrat gefüllte Kunststoffbehälter. Als Brutsubstrat verwenden wir die gleiche Erde wie am Ablagehügel. Um Schimmelbildung einzudämmen, kannst du sie vorher keimfrei machen. Wenn die Eier zeitnahe zum Legevorgang geborgen werden, darfst du die Eier noch drehen. Zu einem späteren Zeitpunkt aber auf keinen Fall mehr, denn der Embryo entwickelt sich oben im Ei und würde bei einer Drehung unter den Dotter geraten. Dort könnte er sich nicht richtig oder gar nicht weiterentwickeln. Um dies zu vermeiden, kannst du am obersten Punkt mit einem weichen Bleistift die Eier kennzeichnen.

 

Inkubation:

Wichtig ist im Vorfeld, den Brutapparat schon einmal Probe laufen zu lassen.

Bei der Zeitigung der Eier gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Wir brüten hier geschlossen aus, d. h. die Eier sind vollständig im Brutsubstrat eingegraben. Bei dieser Methode kommen die kleinen Schildkröten erst hervor, wenn sich der Dottersack vollkommen eingezogen hat. Für uns ist dies die natürlichste Art Schildkröten auszubrüten. Allerdings musst du dabei deine Neugier im Zaum halten und dich in Geduld üben.

Die Geschlechtsentwicklung ist temperaturabhängig. Bei der sogenannten Scheiteltemperatur von 32.5º C entwickeln sich genauso viele Männchen wie Weibchen. Bei Temperaturen darüber geht man davon aus, dass sich mehr Weibchen entwickeln, darunter mehr Männchen. Bitte brüte auf Weibchen aus, damit wir dem Geschlechterverhältnis in Gefangenschaft Rechnung tragen.

Wir bebrüten Testudo hermanni boettgeri die ersten 30 Tage bei 33º C und später, weil dann die Geschlechtsentwicklung bereits abgeschlossen ist, bei 29,5º C. Du kannst auch mit einer Nachtabsenkung die Eier zeitigen.

Die Brutzeit dauert zwischen 50 und 80 Tagen. Bei kühleren Temperaturen verlängert sich diese Zeit.

 

Schlupf:

Jetzt kommt der wohl schönste Moment: Ein Schildkrötenbaby schlüpft. Dies schafft es ganz alleine. Der Schlüpfling liegt quergefaltet im Ei und streckt sich nach dem Schlupf. Mit der Hornschwiele (Eizahn) ritzt das Baby das Ei im Inneren auf und zuerst kommt der Kopf zum Vorschein. Dann vergrößert es mit den Beinen das Loch und schlüpft. Der Schlupfvorgang und die –dauer sind sehr unterschiedlich. Zu Beginn hat der Panzer meist noch die Form des Eies.

 

 

Jetzt ist es da:

Das Wunder der Natur:

Eine vollständig entwickelte (noch etwas erschöpfte) Schildkröte!

Bis zum nächsten Mal

 

Euere Trudy Schröte!