Hallo,

kannst du leise aus den hinteren Reihen im Überwinterungsregal hören. Ich bin es mal wieder, eure

Trudy Schröte.

Nun dachte ich, dass ich in den Wintermonaten in Ruhe in der Winterstarre liegen kann. Wenn ich hier nämlich in der Erde liege, zugedeckt mit Buchenlaub, habe ich viel Zeit zum Nachdenken. Viele Schildkrötenbesitzer machen das ähnlich wie ich. Sie planen bereits das kommende Schildkrötenjahr und haben viele gute Vorsätze.

(Selbstverständlich liegen sie dazu nicht in der Überwinterungskiste!)

Nachdem sie Bücher gewälzt und im Internet recherchiert haben, werden Pläne für das neue Freilandgehege gemacht. Prima, da freue ich mich für alle Schildkröten.

Nach diesen Freigehegeüberlegungen kam dann natürlich eine Weitere hinzu: Unser Krötchen soll doch nicht alleine leben wie Robinson Crusoe. Soll ich euch was sagen: Recht so! Ich möchte schließlich auch nicht alleine sein. Bei mir zu Hause habe ich ja das Glück, in einer ausgewogenen Gruppe zu leben.

Doch jetzt zu dir und deiner Schildkröte: Ein neuer Lebenspartner soll für sie angeschafft werden! So eine Vergesellschaftung ist gar nicht so einfach. Aber ich kann dir hier schon mal vorab ganz viel erklären.

 

Stelle dir vor: Die Winterstarre ist vorbei, es ist Frühling. Deine Schild- kröte ist aus der Winterstarre erwacht, wieder aktiv und nun ist die optimale Zeit, ein weiteres Tier hinzuzuholen. Natürlich sollte die neue Schildkröte von der Unterart, dem Geschlecht und dem Alter zu der bereits vorhandenen Schildkröte oder Gruppe passen.

Stelle dir vor: Die Winterstarre ist vorbei, es ist Frühling. Deine Schildkröte ist aus der Winterstarre erwacht, wieder aktiv und nun ist die optimale Zeit, ein weiteres Tier hinzuzuholen. Natürlich sollte die neue Schildkröte von der Unterart, dem Geschlecht und dem Alter zu der bereits vorhandenen Schildkröte oder Gruppe passen.


Jetzt musst du aber vorsichtig sein, denn du kannst nicht zwei fremde Schildkröten mal einfach so vergesellschaften. Es gibt da nämlich ein Problem:

Das gefährliche HERPESVIRUS - das Schildkrötenvirus schlechthin!!!!

Ende der 80er Jahre wurde das Herpesvirus bekannt. Doch was ist das überhaupt? Wie kann man es erkennen? Viele Fragen tauchen auf….

Grundsätzliches

• Sobald eine Schildkröte vom Herpesvirus befallen ist, ist sie immer, ihr ganzes Leben Träger des

Virus. Eine Heilung ist nicht möglich.

• Übertragen wird das Virus durch Kot, Speichel, Urin, Sperma und dementsprechend auch durch

indirekten Kontakt, wie Betreten des Geheges, mangelnde Hygiene usw.

• Stress senkt das Immunsystem und erleichtert es dem Herpesvirus auszubrechen. Dies kann das

Ende der Winterstarre, Verkauf, Legezeit, Paarung usw. sein.

• Es gibt verschiedene Herpesviren. Alle Schildkröten sind anfällig, an dem Herpesvirus zu erkranken.

• Verschiedene Schildkrötenarten gehen unterschiedlich mit dem Virus um. Bei Griechischen Landschildkröten

führt das Virus häufig zum Tode. Maurische Landschildkröten, Russische Landschildkröten und auch Breitrandschildkröten können teilweise mit dem Virus leben und so unerkannte Herpesträger sein.

• Der Mensch oder andere Tiere können sich nicht mit diesem Herpesvirus anstecken.

Symptome

• Die Symptome sind sehr unterschiedlich.

• Es gibt Tiere, die vollkommen unauffällig sind. Diese sterben dann einfach - plötzlich - ohne irgendwelche Krankheitserscheinungen.

Manche haben Bewegungsstörungen.

• Andere wiederum fressen schlecht, haben Schnupfen, Schluckprobleme oder Atembeschwerden.

• Käsige, gelbliche Beläge im Rachen und/oder auf der Zunge sind Anzeichen für einen akuten Schub.

Diagnose

• Aufgrund äußerer Krankheitsanzeichen ist demnach keine Diagnose möglich. Es gibt z.B. augenscheinlich

gesunde Tiere, die über Jahrzehnte gut mit dem Virus zurechtkommen. Erst in Stresssituationen

wird das Virus aktiv.

• Das Herpesvirus wird über eine Blutuntersuchung nachgewiesen. Dem Tier wird Blut entnommen und dies wird in einem Speziallabor untersucht. Eventuell vorhandene Antikörper des Virus werden

hier nachgewiesen.

• Wenn die Schildkröte sichtbar krank ist, kann auch durch einen Rachenabstrich das Virus nachgewiesen werden.

• Falls eine Schildkröte plötzlich ohne ersichtlichen Grund stirbt, macht es Sinn, sie auf Herpes untersuchen zu lassen. Hierzu solltest du die Schildkröte gut gekühlt an ein Speziallabor schicken.

Zeitpunkt der Blutuntersuchung/Quarantäne

Da das Virus in offene Türen rennt, wenn die Schildkröte Stress hat, wird am besten in dieser Phase

getestet. Ist die Schildkröte erst ganz neu infiziert, haben sich meist noch keine Antikörper gebildet.

Dies kann sechs Wochen dauern, deswegen macht es Sinn zu warten. Es gibt Fälle, da dauert

es bis zu einem Jahr, bis Antikörper nachgewiesen werden können. Dementsprechend ist eine lange

Quarantänezeit notwendig.

Das heißt:

• 1. Test: ca. 6 Wochen nach Aufnahme, bzw. nach dem Kauf

• evtl. 2. Test: ca. 6 Wochen später

• 2. oder 3. Test: ca. 6 Wochen nach der nächsten Winterstarre

• Während dieser ganzen Zeit sitzt die Schildkröte in Quarantäne!!!!!

Hier noch mal die Regeln zur Aufnahme eines neuen Tieres:

• Mehrfache Herpestests durchführen lassen

• Ein Jahr Quarantäne

• Stress vermeiden!

• Hygienebedingungen einhalten

• Auch aus einem herpesfreien Bestand nachtesten!

Vorsicht!

Immer wieder werden fremde Tiere einfach zusammen in ein Gehege gesetzt.

ABER:

Aufgrund der Herpesproblematik: keine fremden Tiere, wie z.B. Fundtiere oder Urlaubstiere aufnehmen.

Sie können alle deine anderen Schildkröten anstecken!

Meist mit tödlichem Ausgang.

Ich wünsche mir, dass du all diese Strapazen auf dich nimmst, damit keine Schildkröte alleine leben

muss. Und was ist schon ein Jahr Quarantäne im langen Leben einer Schildkröte!


Danke dir von Herzen!

Deine

Trudy Schröte

verwendete Literatur:

www.eggenschwiler.swissworld.com

 

Die Schildkröte: Heimtier und Patient, Petra Kölle, Enke Verlag