Ein Schildkrötenjahr neigt sich dem Ende... doch alle Jahre wieder...

Hallo,

da bin ich wieder, eure Trudy Schröte. Mein „Hallo“ kommt schon ein bisschen verhalten. Bedingt durch die nun niedrigeren Temperaturen und den weniger Sonnenstunden bin ich deutlich träger als noch vor einigen Wochen.

Bereits im August wurde mein Kot auf Parasiten untersucht. So kann ich das Entwurmungsmittel auch wieder vollständig ausscheiden, bevor ich runterfahre und letztlich in die Starre falle. Es dauert nämlich mindestens sechs Wochen, bis alles wieder draußen ist. Das Ganze sollte also rechtzeitig vor Einleitung der Winterstarre geschehen.

 

Das Labor schickt uns immer den Befund der Kotprobe, ob ich leicht-, mittel- oder hochgradig verwurmt bin. Entwurmt wird in der Regel nur bei hochgradigem Befall. Dieses Entwurmungsprozedere geht mir ganz schön an die Nerven. Entweder bekomme ich es mit einer Kanüle in mein kleines Mäulchen gespritzt oder mit der Magensonde direkt in mein Bäuchlein. Das kann ich gar nicht leiden! Aber wenn es sein muss, muss es sein. Manch einer meiner Schildkrötenkollegen zeigt sich da viel umgänglicher und frisst das Entwurmungsmittel direkt mit einem Leckerchen.

Auf jeden Fall sollte bei einem hochgradigen Befall mit dem richtigen Mittel entwurmt werden. Das Labor gibt hierzu Empfehlungen. Der schildkrötenerfahrene Tierarzt kann bei Unsicherheiten helfen.

Gott sei Dank, bei mir war alles in Ordnung und ich musste in diesem Jahr nicht entwurmt werden und kann entspannt in die Winterstarre gehen.

Aber wer redet denn jetzt, Anfang Oktober, schon von der Winterstarre, das ist ja noch ein bisschen hin. Meine Kräuter schmecken mir immer noch sehr, ich wärme mich am frühen Morgen unter dem Wärmestrahler und genieße die Wärme im Gewächshaus. An schönen Tagen kann ich auch noch ins Freigehege und finde viele Wildkräuter. Während es sich meine Halterin auf dem Sofa mit einem Buch bequem macht, liege ich hier in meinem Schlafhaus unterm Stroh und grabe mich schon leicht in der lockeren Gartenerde ein. Ach, das Leben ist schön! Wenn ich dann endlich starren möchte, stehen die Überwinterungskisten schon bereit. Hier wird eben an alles gedacht. So gut geht es leider nicht allen Haustieren.

Alle Jahre wieder .... Tiere unterm Weihnachtsbaum

Stell dir vor: Immer noch gibt es Menschen, die es sich nicht verkneifen können, an Weihnachten Tiere zu verschenken.

Tiere unter dem Weihnachtsbaum??? Das geht gar nicht.

Na ja, ich gebe zu, es ist ja schon niedlich, so ein kleiner Hund unter dem Weihnachtsbaum. Auch ein kleines Kätzchen macht dabei eine gute Figur. Man hat dem Kind oder auch dem Partner einen vielleicht lang ersehnten Wunsch erfüllt und alle Augen strahlen.

Neben dem Weihnachtsstress hat aber kaum jemand Zeit für das neu hinzugekommene Tier. Besser wäre es die Feiertage für die Vorbereitung des neuen Familienmitgliedes zu nutzen. Ein gutes Buch mit vielen Informationen oder Zubehör, wie eine schöne Leine für den Hund, einen Katzenkuschelsack, ein Frühbeet für die Schildkröten..

Und nach den Feiertagen (spätestens zur Urlaubszeit):

Da kommt mit einem Schlag die Ernüchterung. Der Hund pieselt über den Wohnzimmerteppich und tackert mit seinen spitzen Welpenzähnen die Hände der Kinder. Die kleine „Töle“ erwartet ständig Aufmerksamkeit und fordert auch noch Gassigänge, um sich zu erleichtern. Leider hat dem kleinen Hund niemand gesagt, dass die neuen Besitzer bei Regen und Schnee nicht gerne rausgehen. Und so kommt es unweigerlich zu einem massiven Interessenkonflikt.

Schnell wird auch festgestellt, dass die Katze Krallen hat und damit das Sofa ruiniert. Auch sehen die Hände und Unterarme nach einer Spieleinheit mit dem Kätzchen aus, als hätte man sich selbst „geritzt“. Plötzlich sind auch überall Katzenhaare, die stören. Und nicht zu vergessen, da niest jemand ständig: Hat derjenige vielleicht eine Allergie?...

Es ist ja schon schlimm, dass Kaninchen, Hund und Katze an Weihnachten verschenkt werden. Doch Schildkröten? Noch dazu Landschildkröten, die eigentlich in dieser Zeit star-

ren sollten? Da wird dem potentiellen Schildkrötenkäufer suggeriert, dass so ein kleines Schildkrötenbaby im ersten Jahr gar nicht starren sollte. Wer kommt denn auf so eine

Idee? Leider nur an Profit orientierte „Fachleute“, die nur verkaufen wollen und das Tier nur als Ware sehen. Dass damit die Gesundheit des kleinen Schildkrötenbabys aufs

Spiel gesetzt wird, davon spricht der Verkäufer nicht.

Und wie erging es dem neuen Besitzer der Schildkröte??? Ehrlich gesagt: Das Kind fand die Schildkröte nach einigen Tagen schon blöd, denn mit der kann man nicht spielen. Kuschelig ist so eine Schildkröte auch nicht. Überhaupt ist sie langweilig, denn sie geht in ihrem winzigen Terrarium nur an der Wand entlang (anstatt in ihrer Box zu starren).

Ach, und ganz vergessen: das neu erworbene Tier verursacht zu allem Überfluss auch noch Kosten, die nicht kalkuliert waren.

 

Und dann kommen wir ins Spiel:

Um dem Ganzen ein Ende zu setzen, bringt man den undichten Welpen oder die kratzbürstige Katze schnell in das nächste Tierheim. Die Schildkröte landet in einer Auffangstation. Leider hat das Tier den Erwartungen nicht entsprochen.

Auffangstationen und Tierheime haben nach den Feiertagen Hochkonjunktur. Viele Tiere werden gebracht, weil sich die neuen Halter übernommen haben, sich vorher nicht richtig über die Bedürfnisse des Tieres informiert haben. Und die mieseste Art, uns Tiere zu entsorgen, ist, uns einfach auszusetzen.

Die tiergerechte Lösung:

Ein Entschluss für ein Tier sollte sich nicht auf die Feiertage beschränken, sondern für die nächsten Jahre bei Hund und Katze und vielleicht ein ganzes Leben, wenn die Entscheidung auf Schildkröten fällt. Zeit, Arbeit und Kosten sollten nicht unterschätzt werden. Hole dir Rat bei erfahrenen Haltern.

Wenn es denn schon ein Tier sein sollte, wäre es viel sinnvoller, einen Gutschein an Weihnachten zu verschenken. Wenn das neue Haustier z.B. eine Schildkröte sein soll, dann kann man sich bei einem guten Züchter Babys reservieren lassen. Ein guter Züchter vermittelt immer mindestens zwei Tiere und nicht ein kleines Krötchen ganz alleine. Man sucht sich diese in Ruhe aus. Die kleinen Schildkrötenbabys bleiben noch in der Winterstarre beim Züchter und kommen erst im Frühjahr zum neuen Halter. In dieser Wartezeit ist viel Raum für Vorbereitung und Information. Der beste Start für ein gesundes Schildkrötenleben.

Vergiss nicht:

Ein Tier ist nicht nur ein Geschenk, sondern eine große Verantwortung! Diese endet nicht nach den Feiertagen.

Falls du dich für Schildkröten entscheidest, dann kannst du bei mir zu Hause Informationen bekommen:

 

 

Schildkrötenhilfe Unterfranken

www.schildkroeten-unterfranken.de

info@schildkroeten-unterfranken.de

 

 

Ich freue mich, von dir zu hören.

Deine Trudy Schröte