Hallo, da bin ich wieder euere Trudy Schröte!

Heute fällt es mir schwer euch zu schreiben, denn ich fühle mich so träge. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine eigene Temperatur der Umgebungstemperatur anpasse. Man sagt wechselwarm dazu. Da es nun draußen kälter wird und die Sonnenstunden weniger werden, arbeitet mein Stoffwechsel nicht mehr so schnell. Mittlerweile vergrabe ich mich schon häufig in feuchter Erde. Ich fresse auch schon weniger. Es wird nicht mehr lange dauern und dann mache ich meine Winterstarre. - Was das ist? Mit der Winter-, oder auch Kältestarre genannt, versuche ich die kalte Zeit zu überbrücken, denn in meinem Heimatland würde ich im Winter kaum etwas zum Fressen finden und aufgrund der Kälte könnte ich es nicht richtig verdauen. Um gesund zu bleiben, benötige ich deshalb diese Kältestarre auch hier in Deutschland. Dies auch schon im 1. Lebensjahr, denn keiner würde ja in Griechenland auf die Idee kommen, die kleinen Schildkröten einzusammeln.

Ehrlich gesagt fühle ich mich am wohlsten bei ca. 35 Grad Körpertemperatur. Während der Überwinterungszeit sollte die Temperatur am besten zwischen 4 und 6 Grad liegen. So arbeitet mein Körper auf ein Minimum.

Die Vorbereitung für die Winterstarre fängt allerdings schon viel früher an. Bereits im Sommer wird mein Kot ins Labor geschickt und genau auf Würmer untersucht. Je nach Befund muss ich dann entwurmt werden oder eben auch nicht.

Zudem wird genau geschaut, ob ich wirklich gesund bin. Denn nur eine gesunde Schildkröte darf starren.

Es gibt verschiedene Ursachen, die die Winterstarre einleiten. Die Sonne scheint nicht mehr so lange, es wird kälter und auch meine Hormone tragen ihren Teil dazu bei, dass mein Stoffwechsel immer weiter „herunterfährt“.

Bei uns ist es ja kälter als in meiner ursprünglichen Heimat, deswegen habe ich in meinem Freigehege ein Frühbeet/Gewächshaus und mit der zusätzlichen Beleuchtung wird es schön warm und hell. Doch trotz dieser technischen Unterstützung bekomme ich mit, dass die Tage kürzer werden, sich der Sonnenstand verändert. In dieser Zeit wird die Dauer der Beleuchtung dann langsam reduziert. Eine Deckelheizung im Schlafhaus hilft mir, wenn es doch zu kalt in der Nacht werden sollte. Eine natürliche Nachtabsenkung ist mir aber am liebsten. Damit ich kein Bauchweh in der Winterstarre bekomme, gehe ich immer wieder brav in meine Badeschale. Dort kann ich genügend Feuchtigkeit aufnehmen und meinen Darm entleeren. Irgendwann höre ich auf zu fressen. Manche von meinen Schildkrötenfreunden brauchen eine längere Vorbereitungszeit, andere sind schneller. Jedes Tier ist eben verschieden. Es ist also bei jeder Schildkröte ein bisschen anders.

Wenn ich dann in die Starre „gefallen“ bin, werde ich in eine Plastikbox in herrliche feuchte Erde gelegt. Dort kann ich mich toll verbuddeln. Obendrauf kommt noch Buchenlaub und dann werde ich in den Überwinterungskeller gebracht.

Viele haben nicht so einen kalten Keller und überwintern deswegen im Kühlschrank. Dort hat man jederzeit die Möglichkeit zu kontrollieren. Ein bis zweimal in der Woche sollte die Türe mal geöffnet werden, damit frische Luft in den Kühlschrank kommt.

Es gibt auch die Möglichkeit unterhalb des Frühbeetes/Gewächshauses zu überwintern. Da sich das Frühbeet/Gewächshaus aber auch im Winter sehr aufheizt, sollte es beschattet werden, damit es in der Überwinterungsgrube nicht zu warm wird. Andererseits muss es frostfrei gehalten werden und ein Schutz gegen Nager muss auch vorhanden sein.

Unabhängig wo überwintert wird: Es ist auf jeden Fall wichtig, dass die Erde feucht gehalten wird. Ich mag auch nicht ständig gestört werden. Höchstenfalls zur Kontrolle des Gewichtes. Ich sollte nämlich nicht mehr als 10 – 15 % Gewicht verlieren. So kann man gleich schauen, ob ansonsten alles in Ordnung ist. Ich kann nämlich in der Winterstarre auch mal krank werden und z. B. ein Sepsis bekommen. Dann ist es wichtig, dies schnell zu erkennen und mich zu einem reptilienerfahrenen Tierarzt zu bringen.

Wie lange ich in der Überwinterungsbox liege? - Drei bis fünf Monate. Es kommt dabei nicht darauf an, wie alt ich bin, sondern wo ich herkomme. Bei mir weiß man es nicht genau, deswegen starre ich vier Monate. (Die goldene Mitte!)

Eine gute Haltung schließt eben für mich auch eine Winterstarre ein. Nur dann werde ich eine schöne, langsam gewachsene und gesunde europäische Landschildkröte. Es wäre doch schade, wenn ich diese Möglichkeit nicht bekommen würde und dann vielleicht sehr krank werden würde.

 

 

Ich freue mich aufs nächste Mal

 

Deine Trudy Schröte